Sanofi-Aventis erwartet 2010 niedrigeres Gewinnwachstum
«Sanofi-Aventis ist gut aufgestellt, um das so genannte Patent-Cliff, das in den kommenden Jahren auf uns zukommt, zu meistern», sagte Viehbacher am Mittwoch bei der Bilanzvorlage. Unter dem «Patent-Cliff» versteht man in der Pharmaindustrie den Ablauf von Patenten in Milliardenhöhe zwischen 2010 und 2015. 2009 sei der Überschuss nach Minderheiten bei konstanten Wechselkursen um 12,8 Prozent auf 8,47 Milliarden Euro gestiegen. Die im EuroStoxx-50 notierte Aktie lag im frühen Handel leicht im Plus.
Schweinegrippe lässt Kasse klingeln
«Das Jahr 2009 war ein sehr erfolgreiches Jahr für Sanofi-Aventis», so Viehbacher. Im vierten Quartal habe der Gewinn deutlich vom Verkauf des Schweinegrippe-Impfstoffes profitiert. Im Gesamtjahr hatte Sanofi-Aventis im Impfstoffgeschäft ein Umsatzplus von rund 19 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Der Gewinn je Aktie (EPS) vor Sonderposten erhöhte sich im Gesamtjahr um 13,1 Prozent auf 6,49 Euro. Angetrieben von der Nachfrage nach dem in Frankfurt-Hoechst hergestellten Diabetesmittel Lantus, dem Impfstoffgeschäft und der Nachfrage aus den Schwellenländern kletterten die Erlöse um 5,3 Prozent auf 29,30 Milliarden Euro. Während der Umsatz in etablierten Märkten wie Europa und den USA nur prozentual einstellig zulegte, konnte Sanofi-Aventis in den Schwellenländern die Erlöse zweistellig steigern.
Mehrere Bestseller verlieren Patenschutz
Für 2010 stellt Sanofi-Aventis ein Gewinnwachstum je Aktie zu konstanten Wechselkursen von 2 bis 5 Prozent in Aussicht. Der Ausblick sei ohne die Berücksichtigung einer möglichen Konkurrenz durch Nachahmer-Medikamente für das Kernprodukt Lovenox, das 2009 einen Umsatz von 3,04 Milliarden Euro einbrachte. Bis 2013 verlieren mehrere Sanofi-Bestseller, so etwa das Krebsmittel Taxotere oder der Blutverdünner Plavix, ihren Patentschutz, was zu erheblichen Umsatzeinbussen führen dürfte. Insgesamt ist nach Sanofi-Angaben rund ein Fünftel des Umsatzes bedroht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe sich der Patentablauf bei Eloxatin mit einem Umsatzeinbruch von fast 35 Prozent bemerkbar gemacht. Der Plavix-Umsatz stagnierte mit 2,62 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau.
Kostensenkungen
In den kommenden Jahren will Viehbacher Kernbereiche wie Diabetes-Produkte, Impfstoffe, das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten (OTC), patentgeschützte Medikamente sowie die Tiermedizin stärken. Die Kosten sollen bis Ende 2013 um 2 Milliarden Euro reduziert werden. Um die eigene Innovationskraft zu stärken, wird die Forschung kräftig durchgeschüttelt und ein neuer Ansatz eingeführt. Viehbacher will die Forschung stärker nach aussen öffnen und Innovationen auch bei Biotechfirmen oder staatlichen Forschungsinstituten suchen.
Auch Pfizer beginnt sich für Generika zu interessieren
2009 wurden unter seiner Ägide bereits mehr als 24 Übernahmen und Lizenzvereinbarungen unter Dach und Fach gebracht. Der Arzneimittelhersteller will sich wie die Konkurrenten Novartis, Bayer oder auch Johnson & Johnson breiter aufstellen, um die Risiken bei der Medikamentenentwicklung besser abfangen zu können. Selbst Branchenführer Pfizer hat sich zumindest von der Idee des rein auf Pharma konzentrierten Herstellers verabschiedet und interessiert sich nun auch für Nachahmer-Medikamente. (awp/mc/ps/07)