Internationalisierung in Schweizer Chefetagen hält an

Drei Viertel der Geschäftsleitungen von 112 untersuchten Konzernen in der Schweiz sind innert Jahresfrist neu zusammengesetzt worden, wie die am Montag präsentierte Studie mit Stichtag 31.12.2008 zeigt. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 70%. Von den neu ernannten Führungskräften kamen 56% aus dem Ausland, nach 53% bei der Erhebung ein Jahr zuvor. Unter den SMI-Unternehmen ist der Ausländeranteil noch grösser: Die internationalen Manager machen 65% des Bestandes aus, vor einem Jahr waren es noch 61%. Von den CEOs stammen mittlerweile 45% nicht aus der Schweiz (VJ 38%).


«Gesucht werden die Besten»
Der Trend zur Internationalisierung hängt mit der globaleren Ausrichtung der Geschäftstätigkeit der Unternehmen zusammen. «Die Schweiz ist zudem ein interessantes Land, um sich hier beruflich und privat niederzulassen», erklärt Guido Schilling, Managing Partner des gleichnamigen Unternehmens, am Montag vor den Medien in Zürich die Entwicklung. Schilling prognostiziert einen weiteren Anstieg des Ausländeranteils. «Gesucht werden die Besten und die Chancen, dass die richtige Persönlichkeit ein Schweizer ist, sind eher gering.»


Rezession beschleunigt Erneuerungen
Gemäss der Studie beschleunigt die Rezession die Erneuerungen im Top-Management. Zwar blieb die Fluktuationsrate in den Geschäftsleitungen mit 16% (17%) praktisch stabil, das heisst von 858 GL-Mitgliedern sind 138 neu. Bei den CEOs liegt die Erneuerungsrate allerdings bei 21%. Insgesamt wurden 23 der obersten Führungsposten neu besetzt oder jeder fünfte. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 15.


Rückzug in Verwaltungsräte
Die Autoren der Studie führen dies auch auf das wirtschaftliche Umfeld zurück: Langjährige Konzernchefs ziehen sich in den Verwaltungsrat zurück und ein jüngerer Nachfolger soll für frischen Wind sorgen. «Die Auswirkungen der Rezession dürften sich aber erst in den Zahlen vom kommenden Jahr richtig niederschlagen», sagte Schilling. Eine höhere Fluktuation als beim Durchschnitt ist bei den SMI-Unternehmen auszumachen. Dort würden die Aktionäre und der erhöhte Medienfokus noch stärkeren Druck ausüben.


Jeder zweite ausländische Konzernchef aus Deutschland
Von den ausländischen Führungskräften stammen 31% aus Deutschland (VJ 34%). Von den ausländischen Konzernchefs sind gar 42% Deutsche (VJ 50%). Guido Schilling ist der Ansicht, dass der Anteil der Deutschen, trotz des leichten Rückgangs, auch in Zukunft hoch bleiben wird. Je 11% der nicht-Schweizerischen Führungskräfte stammen aus Grossbritannien oder aus den USA (VJ 10% bzw. 12%). Die viertgrösste Gruppe unter den ausländischen Geschäftsleitungsmitgliedern bilden mit 7% die Franzosen (VJ 9%).


Frauen massiv in Unterzahl
Lediglich 5% der Geschäftsleitungsmitglieder sind Frauen, 1 Prozentpunkt mehr als 2008. Von den über 100 Unternehmen haben nur 3 eine Konzernchefin. Frauen in Führungspositionen sind mit 48 Jahren durchschnittlich etwas jünger als ihre männlichen Kollegen, die im Schnitt 50 Jahre als sind. (awp/mc/ps/22)

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