VP Bank Spotanalyse: Schweizer BIP wächst schwächer im vierten Quartal

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Respektable Wachstumsrate im Jahr 2024 von 0.9 %.
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz ist im vierten Quartal 2024 gegenüber dem Vorquartal bereinigt um Sportanlässe um 0.5 % gewachsen. Ausrüstungsinvestitionen und Exporte legen kräftig zu.
Das BIP legt damit im Schlussquartal einen Zahn zu und wächst äusserst robust. Erfreulich ist, dass die Ausrüstungsinvestitionen nach zwei rückläufigen Quartalen wieder einen kräftigen Zuwachs um 1 % gegenüber dem Vorquartal verbuchen können. Einmal mehr schlägt sich auch der private Konsum mit einem Plus von 0.5 % solide. Highlight sind die Exporte (ohne Wertsachen), die um satte 6.9 % gegenüber dem Vorquartal zulegen.
Wermutstropfen bleibt, dass sich das Wachstum in der Industrie weiterhin auf die chemische-pharmazeutische Industrie konzentrierte. Diese für die Schweiz zentrale Branche trug auch massgeblich zum Exportwachstum bei. In den übrigen Industriebranchen herrschte derweil Tristesse. In der Breite stagnierten die meisten Industrien.
Mit Blick auf das Gesamtjahreswachstum 2024 lässt sich sagen: Ein BIP-Zuwachs um 0.9 % ist angesichts des schwachen weltwirtschaftlichen Umfeldes durchaus respektabel. Einmal mehr war es vor allem dem robusten privaten Konsum zu verdanken, dass die eidgenössische Wirtschaft trotz ihres hohen Waren- und Dienstleistungsexports von knapp 70 % des BIP solid schlägt.
Im globalen verarbeitenden Gewerbe waren zuletzt, passend zum bevorstehenden Frühling, erste Knospen einer Erholung erkennbar. Wie sich zeigt, sind innerhalb der Industrie vor allem die Pharmaunternehmen die treibende Kraft. Die wirtschaftliche Breite fehlt, deshalb fallen die Ertragsaussichten in der Industrie insgesamt verhalten aus.
Käme es tatsächlich zu einer Belebung innerhalb der Industrie, würden auch zyklische Branchen wie die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie stärker profitieren. Dies könnte zu einer allgemeinen und nachhaltigen Investitionsbelebung führen und das Wachstum verbreitern.
Noch dominiert allerdings bei den Konjunkturperspektiven der Konjunktiv. Zum Störfeuer könnten sich etwaige US-Zölle auf europäische Waren entwickeln. Auch wenn die Schweiz bei direkten US-Zöllen aussen vor bliebe, sind aufgrund des hohen Warenexports in die EU-Staaten negative indirekte Effekte zu befürchten.