Lombard Odier: Trump sorgt für Handelsschock

Michael Strobaek

Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer bei Lombard Odier. (Foto: pd/mc)

Die von Präsident Donald Trump angekündigten Handelszölle sind höher als vom Markt erwartet. Durch die neuen Importzölle steigt der effektive Zollsatz der USA auf Niveaus, die seit Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurden. Das Risiko einer US-Rezession nimmt zu. Risikoanlagen, einschliesslich Aktien, dürften weiter nachgeben, während sich ausgewählte Anleihen, der Schweizer Franken, der japanische Yen und Gold überdurchschnittlich entwickeln dürften.

von Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer, und Samy Chaar, Chefökonom, CIO Switzerland bei Lombard Odier

Nach der Ankündigung von Präsident Donald Trump am 2. April steigen laut unserer vorläufigen Schätzung die effektiven US-Zölle von 2% im Jahr 2024 auf rund 20%. Die Folgen sind ein geringeres Wachstum in den USA und weltweit sowie eine steigende Inflation, da der Warenhandel einen angebotsseitigen Schock erleidet. Die US-Wirtschaft dürfte deutlich Schaden nehmen, und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nimmt zu. Diese negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft könnten letztlich teilweise abgeschwächt werden: durch geplante Steuersenkungen, die durch die Zölle finanziert werden sollen, und Massnahmen wie Deregulierung, die möglicherweise in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden.

Mit der Ankündigung der Zölle wurden zwar einige Details bekannt, doch die von den Märkten erhoffte Gewissheit blieb aus. Das Thema wird als „nationaler Notstand“ behandelt. Für die Dauer der Zölle ist nur eines massgeblich: Ob Präsident Trump entscheidet, dass die Situation um „das US-Handelsdefizit und die zugrunde liegende nicht reziproke Behandlung befriedigt, gelöst oder gemildert ist“, so die Erklärung des Weissen Hauses.

Die USA werden ab dem 5. April gegenüber all ihren Handelspartnern Zölle in Höhe von mindestens 10% erheben. Hinzu kommen unterschiedliche „reziproke“ Zölle gegenüber Ländern, die laut den USA hohe nicht tarifäre Hemmnisse aufgebaut haben oder ihre Währung manipulieren.

In diesem Zusammenhang entsprechen „den USA in Rechnung gestellte Zölle“ dem bilateralen Handelsdefizit der USA für Waren als Anteil der gesamten bilateralen Wareneinfuhren. Die reziproken Zölle der USA betragen die Hälfte dieser Schätzungen.

China ist besonders betroffen. Die Zölle für China sollen auf 54% steigen, bestehend aus einem seit Februar erhobenen Zoll von 20% und „reziproken“ Zöllen von 34%, die am 2. April angekündigt wurden. Noch ist unklar, ob diese Zölle zusätzlich zu den bereits bestehenden Section-301-Zöllen, die unter der ersten Trump-Regierung definiert wurden, erhoben werden. Falls ja, würden die resultierenden Zölle auf chinesische Waren etwas über 60% betragen. Das entspricht ungefähr dem Niveau, das die Trump-Seite während des Präsidentschaftswahlkampfs versprochen hatte. Kanada und Mexiko sind vorerst von zusätzlichen Restriktionen verschont geblieben, da alle Waren, die dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen (USMCA) unterliegen, von Zöllen ausgenommen werden. Für nicht USMCA-konforme Waren gelten nach wie vor Zölle in Höhe von 25%; eine Ausnahme bilden Energie und Kalisalz, für die ein Satz von 10% gilt.

Die Schweiz und Gespräche
Für die offene Wirtschaft der Schweiz, für die Zölle von 31% bekannt gegeben wurden, sind die Zölle eine Herausforderung. Es ist noch nicht bekannt, wie die Pharmaexporte, die 30% der Schweizer Ausfuhren in die USA ausmachen, behandelt werden. Pharmaprodukte wurden ausdrücklich von den reziproken Zöllen ausgenommen, ebenso wie Kupfer, Halbleiter und Holz sowie Stahl, Aluminium und Autoteile, auf die bereits Zölle erhoben werden.

China und die Europäische Union haben mit Vergeltungsmassnahmen gedroht. US-Finanzminister Scott Bessent forderte die Regierungen auf, „abzuwarten“, statt Vergeltungsmassnahmen zu ergreifen. Präsident Trump ging in seinen Ausführungen nicht auf die Möglichkeit von Verhandlungen ein. Wir sind der Ansicht, dass Gespräche in den kommenden Monaten letztlich zu niedrigeren effektiven Zöllen von rund 15% führen könnten. Die US-Inflation könnte dann auf etwa 3,5% steigen.

Diese Ankündigung dürfte einen Höhepunkt der zollbedingten Unsicherheit markieren. Wir halten plötzliche Ausnahmen, wie sie in den letzten Monaten für Mexiko und Kanada zu beobachten waren, für möglich. Dadurch würden die effektiven Zollsätze sinken.

Die unmittelbare Bedrohung für die US-Wirtschaft ist die Inflation, was Wachstums- und Rezessionssorgen auslöst. Da die wirtschaftlichen Risiken zunehmen, muss die US-Notenbank Fed sowohl Arbeitsmarkt- als auch Inflationsrisiken bewältigen. Im Falle einer Rezession könnte der Leitzins auf 2% sinken.

Wir beobachten weiterhin die Entwicklung der Reallöhne, Umfragen zum Geschäftsklima, den US-Dollar und das Verhältnis von Lagerbeständen zu Aufträgen der Unternehmen; denn die US-Importeure haben die Zölle durch frühzeitige Bestellungen antizipiert.

Auswirkungen auf Anlagen
Das makroökonomische Umfeld deutet auf eine Phase der Risikoaversion an den Finanzmärkten hin. Wie lange diese Phase dauern wird, hängt weitgehend davon ab, wie lange die neuen Zölle in Kraft bleiben. Massgeblich ist zudem, ob ihre Auswirkungen durch positivere Nachrichten über Deregulierungen und Steuersenkungen in den USA ausgeglichen werden können. Angesichts der höheren Rezessionsrisiken für die USA und weltweit sowie einer höheren Inflation rechnen wir mit Volatilität an den Aktienmärkten. Defensive Sektoren und Anlagestile, darunter Versorger, dürften sich besser entwickeln. Wir erwarten, dass die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in den nächsten drei Monaten auf 3,5% bis 4% fallen, während die Fed ihren Leitzins senkt. Aufgrund der Risikoaversion der Anlegerinnen und Anleger dürften inflationsgeschützte US-Staatsanleihen (TIPS) eine Outperformance verzeichnen.

An den Devisenmärkten rechnen wir mit einem stabilen bis stärkeren US-Dollar gegenüber dem Euro und dem britischen Pfund. Als sichere Häfen geltende Währungen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen dürften weiter an Wert gewinnen. Asiatische Währungen, insbesondere der chinesische Yuan, dürften weiter schwächeln. Gold spielt nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Portfoliodiversifizierung. Kurzfristig ist jedoch eine Konsolidierung möglich, wenn die US-Goldimporte aufgrund einer Zollbefreiung zurückgehen. Unser Investment Committee prüft die Auswirkungen. (Lombard Odier/mc/pg)

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