Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose AG. (Foto: zvg)
Die Schweizer Zur Rose-Gruppe ist eines der führenden Unternehmen im Bereich der Arzneimitteldistribution in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Sie ist überdies die europaweite Nummer 1 im Arzneimittelversand. Zur Rose AG wurde 1993 als Ärztegrossistin gegründet und betätigt sich seit 2001 auch als Versandapotheke für Privatkunden.
Geschäftsjahr 2014
Trotz staatlich veranlasster Preissenkungen in der Schweiz konnte Zur Rose den Umsatz um 0.5% auf CHF 915.6 Mio. steigern. Aufgrund von Prozessoptimierungen und des Wegfalls von Einmaleffekten erhöhte sich der EBITDA auf CHF 17.3 Mio., was einer Marge von 1.9% entspricht. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von CHF 7.2 Mio. Gestützt auf das Jahresergebnis können die Aktionäre an der kommenden Generalversammlung nach 2013 wieder über eine verrechnungssteuerfreie Dividende in der Höhe von CHF 0.60 pro Aktie (2013: CHF 0.50 pro Aktie) abstimmen. Die einzelnen Geschäftsfelder haben sich wie folgt entwickelt: Die Pharmadienstleisterin Zur Rose Pharma setzte im Geschäftsjahr 2014 ihren Fokus gezielt auf Profitabilität und Kostenoptimierungen, dadurch hat sich die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens verbessert. DocMorris vermochte den Umsatz um 4% zu steigern. Zur Rose publiziert keine Spartenumsätze.
Rechtsfälle
Die Frage, ob EU-ausländische Versandapotheken künftig wieder Boni im Zusammenhang mit dem Kauf rezeptpflichtiger Arzneimittel gewähren dürfen, soll nun auf europarechtlicher Ebene entschieden werden. Das Oberlandesgericht Düsseldorf legte die Frage nach der Zulässigkeit des deutschen Festpreissystems am 24. März 2015 dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zur Klärung vor. Aufgrund der Gegenwehr von Apothekern muss Zur Rose immer wieder mit Klagen rechnen. Auch Gesetzesänderungen können den Geschäftsgang nachhaltig beeinflussen.
Ausblick
Für das Jahr 2015 rechnet Zur Rose AG mit einer insgesamt positiven Geschäftsentwicklung. Die Abschwächung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken sollte grundsätzlich keinen negativen Einfluss auf die Bruttomarge haben, da Kosten und Umsatz der Gesellschaften der Zur Rose-Gruppe in derselben Währung anfallen. Negative Währungseffekte zeigen sich nahezu ausschliesslich im Gruppenumsatz. Zu einer möglichen Beeinflussung des Ergebnisses könnten unrealisierte Bewertungsdifferenzen auf Bilanzpositionen in Euro führen.
Ende März 2015 kommunizierte Zur Rose zudem die Übernahme der BlueCare AG, Winterthur, mit einem Umsatz von CHF 10 Mio. im Jahr 2014. Die Mehrheitsbeteiligung erfolgt im Rahmen einer Entflechtung der Aktionariate der Dienstleistungsunternehmen BlueCare AG, Health Info Net AG und TrustX Management AG. Als Folge der Transaktion wird Zur Rose neu 75% anstatt bisher 25% des Aktienkapitals von BlueCare halten. Die strategische Ausrichtung von Zur Rose und BlueCare ergänzen sich ideal. Das Geschäftsmodell von Zur Rose trägt dazu bei, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken und die Versorgungsqualität zu erhöhen. BlueCare entwickelt mit ihren Partnern innovative und praxisnahe Lösungen im Rahmen der integrierten Versorgung und von eHealth.
Erhöhung des genehmigten und bedingten Kapitals
An der Generalversammlung wird beantragt das genehmigte Kapital von CHF 2‘642‘700 auf CHF 5‘175‘000 zu erhöhen. Damit erhält der Verwaltungsrat die Möglichkeit, das Aktienkapital der Zur Rose AG, bei Bedarf kurzfristig im genehmigten Umfang zu erhöhen. Der Verwaltungsrat beantragt, das bedingte Kapital von CHF 59 800 auf maximal CHF 1 150 000 zu erhöhen. Dieses Kapital dient für Aktienbeteiligungsprogramme für das Management und die Mitglieder des Verwaltungsrats.
Fazit
Zur Rose konnte dank der Integration von DocMorris den Umsatz nochmals steigern. Nun müssen sich die Margen weiterentwickeln. Die EBITDA-Marge ist mit 1.9% nach wie vor auf einem tiefen Niveau. Dies widerspiegelt sich auch in der Reingewinn-Marge. Immerhin bekommen die Aktionäre 27% des Reingewinnes als Dividende ausbezahlt, was aktuell einer Rendite von 2.5% entspricht. Seit der Publikation des Halbjahresberichtes im August 2014 hat die Aktie um 10% zugelegt. Aufgrund des Geschäftsmodels und der Übernahme von DocMorris weist das Thurgauer Unternehmen ein hohes immaterielles Anlagevermögen von 65% des Eigenkapitals aus. In diesem Posten schlummern die grössten Risiken für die Aktionäre, da bei einem Umsatzeinbruch mit hohen Abschreibungen zu rechnen ist. Vor diesem Hintergrund ist auch die geplante Erhöhung des genehmigten Kapitals zu sehen. Dadurch kann der finanzielle Spielraum für die Gesellschaft erhöht wie auch die Bilanz gestärkt werden.“ In der Schweiz stagniert der Medikamentenmarkt – im Gegensatz zu Deutschland, wo letztes Jahr ein Wachstum von 6% auf EUR 36 Mia. verzeichnet wurde. Grosser Widerstand gegen das Geschäftsmodell kommt naturgemäss von den traditionellen Apothekern in der Schweiz und im Ausland, welche Umsatzrückgänge befürchten und sich auf juristischem Weg gegen den Wettbewerber wehren. (ZKB/mc/ps)
Aktienkurs Zur Rose AG