Lars van der Haegen, CEO Belimo, im Interview

von Robert Jakob
Moneycab.com: Herr van der Haegen, ein Zehntel mehr Umsatz im 2024. In Schweizer Franken gelang Ihnen eine Punktlandung. Wie lässt sich das neue Jahr an?
Lars van der Haegen: Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Jahres 2024. In lokalen Währungen konnten wir unseren Umsatz um 13,1 % steigern, was in Schweizer Franken einem Anstieg von 9,9 % entspricht. Dies zeigt, dass unsere strategischen Initiativen und unser Fokus auf Innovation und Kundenzufriedenheit Früchte tragen. Das neue Jahr hat vielversprechend begonnen, und wir sind zuversichtlich, dass die Nachfrage nach komfortablen und sicheren Innenräumen mit geringem Energieverbrauch weiterhin hoch bleiben wird.
Belimo-Produkte wie das Energy-Valve sind kleine handliche Energiesparer und damit sehr interessant für die energetische Sanierung von Altgebäuden. Wie hoch schätzen Sie die Marktdurchdringungspotenzial dieses Produktes ein?
Unsere Produkte wie das Energy-Valve sind tatsächlich sehr effizient und vielseitig einsetzbar. Es optimiert den Energieverbrauch von Gebäuden und eröffnet mit der IoT-Anbindung viele neue Möglichkeiten wie zum Beispiel die automatische Energieabrechnung. Und wenn wir die bedeutende Rolle des Gebäudesektors bei der Reduktion der globalen CO2-Emissionen berücksichtigen, sehen wir das Marktdurchdringungspotenzial des Belimo Energy-Valves als sehr vielversprechend an. Wären alle HLK-Regelventile weltweit Belimo Energy-Valves, besteht ein jährliches Energiesparpotential von 195 Milliarden CHF und 878 Millionen Tonnen CO2.
Alle reden von Trumps Strafzöllen. Für das komplexe energetische Zusammenspiel in vielen grossen Gebäuden verwendet Immobilienverwaltung in New York City Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungssysteme von Belimo. Werden Sie jetzt von der Bundessteuerverwaltung zur Kasse gebeten?
Wir verfolgen seit langem die Strategie, stets nahe beim Kunden zu sein, um eine optimale Betreuung und schnelle Reaktionszeiten zu gewährleisten. Darum sind wir auch in den USA mit einem grossen Standort für Entwicklung und Vertrieb vertreten. In Zeiten, in denen Strafzölle diskutiert werden, ist diese Strategie vorteilhaft, da wir dadurch im Moment nur wenig betroffen sind und bis jetzt keine Preiserhöhungen diesbezüglich in den USA, Kanada und Mexico kommunizieren mussten.
«Wir mussten bis jetzt keine Preiserhöhungen wegen Strafzöllen in den USA, Kanada und Mexico kommunizieren.»
Lars van der Haegen, CEO Belimo
Ist der alte Kontinent Europa in Umwelttechnik – im Vergleich zu den USA – mittlerweile wirklich so führend, wie es uns die Grünen sagen?
Wir sind viel mit Start-ups aus der Umwelttechnik in Kontakt und seit wir die Belimo Climate Foundation ins Leben gerufen haben noch etwas mehr. Wir sehen, dass Europa in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in der Umwelttechnik gemacht hat und in einigen Bereichen führend ist. Auf der ganzen Welt geschieht aktuell vieles in diesem Bereich, insbesondere auch in Asien. Aber leider geht es aus meiner Sicht immer noch viel zu langsam voran, wir sehen das selbst in der Schweiz, wo Wasser und Solarkraftwerke blockiert werden.
Wieviel vom Gesamtumsatz machen denn bei Belimo mittlerweile kundenspezifische Fertigungen aus?
Belimo bietet eine Vielzahl an Customized Products über Variantenkonfiguration an – mit Millionen möglicher Optionen, die rund die Hälfte des Sortiments ausmachen. Ergänzend dazu ermöglicht Belimo PreFIX die massgeschneiderte Anpassung unserer Produkte an Baustellenanforderungen. Dazu gehören Passstücke, Rohrbögen oder steckerfertige elektrische Montagen. Diese Lösungen sparen wertvolle Arbeitszeit auf der Baustelle, wo Fachkräfte knapp sind und werden in unserem Werk wesentlich effizienter gefertigt. Das steigert die Qualität und reduziert die Montagezeiten vor Ort erheblich. Aktuell macht das PreFIX-Geschäft noch einen einstelligen Prozentanteil aus.
Sind diese am margenstärksten?
Rund 46% des Umsatzes stammt aus Luftanwendungen, 50% aus Wasseranwendungen und 5% aus dem Sensorgeschäft. Je nach kundenspezifischer Lösung kommen alle drei Bereiche zusammen und je nach Projekt ist die Marge unterschiedlich. Wichtig ist hier, dass wir die Arbeiten übernehmen können, welche unsere Kunden aufgrund des Fachkräftemangels nicht mehr selber ausführen können.
In Zeiten der KI und Kryptowährungen ist die Kühlung von Rechenzentren ein grosser Markt. Merken Sie das bei Belimo auch überproportional?
Wir bei Belimo spüren den wachsenden Bedarf an Kühllösungen für Rechenzentren deutlich. Durch die Entwicklung und Vermarktung von Kühllösungen, welche speziell auf Rechenzentren zugeschnitten sind und dabei Energieeffizienz, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit in den Vordergrund stellen, konnten wir unsere Marktposition weiter stärken. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage im Rechenzentrumsmarkt weiter steigen wird. Das Tempo, mit dem neue KI-Technologien eingeführt werden, hängt jedoch von Faktoren ab, die ausserhalb unserer Kontrolle liegen.
«Durch die Entwicklung und Vermarktung von Kühllösungen, welche speziell auf Rechenzentren zugeschnitten sind und dabei Energieeffizienz, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit in den Vordergrund stellen, konnten wir unsere Marktposition weiter stärken.»
Ich nehme an, Sie werden die Gunst der Stunde nutzen und 2025 stark investieren. Wo liegen Schwerpunkte?
Ja, wir werden die Gunst der Stunde weiterhin nutzen und auch 2025 investieren. Unsere Schwerpunkte liegen dabei weiterhin auf HLK-Lösungen, welche zur Reduktion des Energieverbrauchs, zur Erhöhung der Sicherheit und zur Verbesserung des Komforts in Gebäuden beitragen. Neben Hinwil werden wir unsere Präsenz auch international ausbauen, unter anderem in Shanghai/China, Großröhrsdorf/Deutschland und Danbury/USA. Aufgrund der positiven Aussichten im Rechenzentrumsmarkt und der Renovationstätigkeiten werden wir spezifisch auch in diesen Bereichen investieren.
Indien und sogar ihr letztjähriges Problemkind China kommen bei Belimo wieder in Schwung, Haben Sie da so etwas wie einen 5-Jahresplan?
Ja, wir haben klare langfristige strategische Initiativen – 10 Jahre plus, um das Wachstum in Indien und China weiter zu fördern. Diese sind darauf ausgerichtet, unsere führende Marktposition nachhaltig zu stärken und die steigende Nachfrage zu bedienen.
«Wir haben klare langfristige strategische Initiativen – 10 Jahre plus, um das Wachstum in Indien und China weiter zu fördern.»
Warum harzt es in Deutschland bei den gewerblichen Neubauten?
Ich denke, dass der gewerbliche Neubau in Deutschland wegen der aktuellen Rezession und langwieriger Genehmigungsprozesse stockt. Im März war ich jedoch and der ISH in Frankfurt, eine globale HLK-Leitmesse. Die Stimmung unserer deutschen Kunden war optimistisch und ein wirtschaftlicher Aufschwung auch dank den Hoffnungen in der Politik wird sich wahrscheinlich 2026 materialisieren.
Belimo hat in über 80 Ländern Niederlassungen. In Neuseeland noch keine. Wegen der Erdbebengefahr?
Das wäre kein Hindernis. Diese und weiter Herausforderungen gibt es ja auch in anderen Regionen. Wir sind nicht mit einer eigenen Niederlassung vor Ort, da wir viele Kunden auch aus Nachbarländern bedienen können. Neuseeland zum Beispiel wird von Belimo in Sydney, Melbourne und Brisbane bedient.