Europa-Schluss: US-Zölle treffen Europas Börsen hart

Europa-Schluss: US-Zölle treffen Europas Börsen hart
(Adobe Stock)

Paris / London / Zürich – Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Donnerstag mit herben Verlusten auf die Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert. Der EuroStoxx 50 büsste 3,59 Prozent auf 5.113,28 Punkte ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Es war der grösste prozentuale Tagesverlust des Eurozonen-Börsenbarometers seit mehr als drei Jahren.

Ausserhalb des Euroraums sah es ebenfalls trist aus. Der Schweizer SMI fiel um 2,45 Prozent auf 12.279,48 Punkte. Mit dem britischen FTSE 100 ging es um 1,55 Prozent auf 8.474,74 Punkte weniger stark nach unten.

US-Präsident Donald Trump sagt mit einem gewaltigen Zollpaket Handelspartnern auf aller Welt den Kampf an. Seine Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern ein. Für viele Staaten sollen je nach Handelsdefizit deutlich höhere Strafabgaben greifen. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.

Experten rechnen nun mit weiteren Kursverlusten an den Aktienbörsen. «Angesichts der erheblichen Erschütterung des globalen Handelssystems erscheint es schwer vorstellbar, dass sich die Aktienmärkte von den jüngsten Verlusten erholen – weitere Kursrückgänge scheinen wahrscheinlich», sagte Investmentstratege Chris Iggo von Axa Investment Managers.

Die Entwicklung der Sektoren spiegelte die Situation wider. Unter Druck standen vornehmlich die Leidtragenden der US-Zollpolitik. So gaben Luxuswerte noch deutlich stärker nach als der Gesamtmarkt. Richemont verloren mehr als 6 Prozent und EssilorLuxottica fielen um gut 7 Prozent. Technologiewerte litten ebenfalls unter den Zöllen, so gaben ASML um gut 6 Prozent nach und Nokia gar um 8 Prozent.

Ungleich besser hielten sich defensive Branchen, die nicht oder nur bedingt von den US-Zöllen betroffen sind. Gefragt waren Versorger und Nahrungsmittelwerte. Danone etwa stiegen um 3,6 Prozent. Auch die Immobilienaktien zogen an, die mit ihrem Fokus auf Europa ebenfalls nicht unter Zöllen leiden. Sie profitierten auch von sinkenden Zinsen an den Anleihemärkten.

Die gute Entwicklung der Pharmawerte beruhte darauf, dass pharmazeutische Produkte erst einmal von den Zöllen ausgeschlossen bleiben, so Experten. Am Vortag noch war die Gesundheitsbranche europaweit unter Druck gekommen, weil befürchtet wurde, dass auch sie Opfer der US-Zollpolitik werden könnte.

Ausnahme war die Aktie von Roche, die am Donnerstag um 3 Prozent nachgab. Die Basler hatten einen Forschungs-Fehlschlag mit dem MS-Präparat Ocrevus vermeldet. Dies schürte bei Analysten die Sorge, dass Roche das Patent für seinen Blockbuster kaum noch über 2028/29 hinaus verlängern kann.

Stark unter Druck standen der Rohstoffsektor und der Sektor Öl und Gas, die jeweils fast 5 Prozent verloren. Neben den von den Zöllen ausgelösten Konjunktursorgen belastete auch die Ausweitung der Fördermengen durch die im Ölverbund Opec+ zusammengeschlossenen Förderstaaten. Es droht eine sinkende Nachfrage bei gleichzeitig steigendem Angebot. (awp/mc/ps)

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