VP Bank Spotanalyse: US-Zölle schwerwiegender als befürchtet

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Drastische Zölle für 60 Länder.
Donald Trump löst einen globalen Handelskrieg aus. 60 Länder stehen auf der langen Zollliste. Die geplanten Massnahmen übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. Ab dem 5. April soll ein Basiszoll von 10 % auf alle Importe in die USA gelten. Handelspartner, mit den grössten Handelsbilanzüberschüssen gegenüber den USA werden mit einem individuell höheren Zöllen belastet.
- Für Waren aus der EU wird ein Zuschlag von 20 % erhoben.
- Chinesische Einfuhren werden mit 34 % belegt – zusätzlich zu den 20 % Einfuhrabgaben, die Trump in diesem Jahr bereits im Zusammenhang mit dem Fentanylhandel verhängt hat. Das bedeutet, dass viele chinesische Importe mit Zöllen von weit über 50 % belegt werden. Die jüngsten Massnahmen erhöhen die durchschnittlichen US-Zölle auf alle chinesischen Produkte laut Ökonomen auf bis zu 65 %. Dieser Zollsatz beinhaltet die bestehenden Zölle aus Trumps erster Amtszeit, die von der Biden-Regierung beibehalten wurden.
- Die neuen Massnahmen gelten vorerst nicht für Kanada und Mexiko. Beide Länder werden noch separat betrachtet.
- Schweizer Importe werden mit einem Zollsatz von 31 % belegt
Sowohl die EU als auch China haben bereits Gegenmassnahmen angekündigt. Damit ist ein globaler Handelskrieg in vollem Gange. Die Weltwirtschaft könnte schweren Schaden nehmen. Das betrifft auch die USA selbst. Die Inflationsraten werden steigen, weil viele Konsumgüter durch Importzölle teurer werden. Damit kommt es zu einem schwierigen Spagat für die US-Notenbank: Auf der einen Seite dürften die Inflationsraten durch die Zölle steigen, auf der anderen Seite droht die US-Wirtschaft selbst unter der Zolllast merklich abzukühlen.
Interessant ist das Verhalten an den Finanzmärkten. Konnte der Dollar zu Jahresbeginn noch von Zollankündigungen profitieren, wendet sich das Bild jetzt. Der Greenback gibt nach. An den Finanzmärkten herrscht Skepsis. Donald Trump stellt die Welthandelsordnung der vergangenen Jahrzehnte in Frage, was an den US-Finanzmärkten wenig Anklang findet.