Schweizer Branchenverbände betonen «Schwesterlichkeit» mit USA

Zürich – Schweizer Branchenverbände fordern die Politik auf, schnell das Gespräch mit den USA zu suchen und auf gute Handelsbeziehungen zu pochen. Gute Chancen versprechen sie sich unter anderem von der «schwesterlichen» Positionierung der Schweiz als offene Handelspartnerin.
«Das Beispiel Mexiko hat gezeigt, dass Deals mit Donald Trump möglich sind», sagte Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft bei Economiesuisse, am Freitag zu AWP. Zudem sei die Schweiz sowohl ein attraktiver Standort für US-Unternehmen als auch ein gefragtes Exportland für hochwertige Güter.
«Wir werden diese Situation meistern, nicht weil wir müssen, sondern weil wir können», sagte der Vertreter des Wirtschaftsdachverbands. Atteslander ist zuversichtlich, dass die Schweiz im aktuellen Handelskonflikt als «Sister Republic» und nicht als Gegnerin auftreten kann.
Vor allem KMU bedroht
Wesentlich alarmierter sind Vertreter der Industrie, der Medizinaltechnik und der Uhrenbranche. Die erste Zollwelle der USA mit Tarifen auf die Aluminium- und Stahlindustrie sei im Vergleich zur jetzigen Ankündigung noch «Nasenwasser» gewesen, formulierte es Jean-Philippe Kohl von Swissmem.
Die zweite Welle mit Zöllen auf die Autoindustrie habe die Schweizer Zulieferer der europäischen Autohersteller getroffen. Der nun geplante «Breitbandzoll» gefährde vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
Für KMU, die 85 Prozent des Industrieverbands ausmachen, sei es verheerend: «Nur wenige Schweizer KMU haben in Amerika eine Monopolstellung», erklärte Kohl. Wenn sich ihre Güter verteuern, könnten sie Aufträge verlieren – auch an die Konkurrenz aus Europa, die Stand heute weniger stark besteuert werden soll.
Auch chinesische Unternehmen könnten laut Kohl Marktanteile gewinnen. Denn diese würden in China stärker staatlich unterstützt.
Medtech und Uhren ebenfalls betroffen
Ähnliches erwartet Adrian Hunn, Vertreter von Swiss Medtech: «Die Zölle würden die Schweizer Medtech-Branche hart treffen». Diese bestehe zu 95 Prozent aus KMU.
Kurzfristig könnten deren Produkte wie Herzschrittmacher oder MRI-Geräte zwar nicht einfach ersetzt werden. Mittelfristig könnten US-Unternehmen aber bei ihren Investitionsentscheiden auf andere Anbieter ausweichen, um Kosten zu sparen. Derzeit entfallen 23 Prozent der Exporte der Branche auf die USA.
Abhängig von den USA ist auch die Uhrenbranche. Der Markt habe sich dort zuletzt positiv entwickelt, während andere Märkte, allen voran China, schwächelten, hiess es vom Verband Swiss Watch Industry.
Höhere Preise für Schweizer Uhren dürften zwangsläufig die Nachfrage der Konsumenten dämpfen. Zudem seien die Hersteller durch das Label «Swiss made» und das lokale Know-how an den Produktionsstandort Schweiz gebunden.
Pharmaindustrie besser aufgestellt
Etwas zuversichtlicher zeigte sich schliesslich die Pharmaindustrie, die bisher von den Zöllen ausgenommen ist, aber laut Donald Trump «in naher Zukunft» ebenfalls betroffen sein soll. «Unsere Produkte sind wegen der Patente schwer substituierbar», sagte Matthias Leuenberger, Präsident von Scienceindustries.
Zudem werde der Medikamentenpreis in den USA von den Pharmafirmen diktiert, was bei höheren Zöllen zu Preissteigerungen führen würde. «Donald Trump weiss, dass die Gesundheitskosten ein grosses Politikum sind», so Leuenberger. In dem Bereich wollten weder die Republikaner noch die Demokraten Preiserhöhungen. (awp/mc/pg)