KOF sieht hohe Abwärtsrisiken für Schweizer Wirtschaft

Zürich – Die Konjunkturforscher der ETH Zürich (KOF) haben ihre Wachstumsprognosen für die Schweiz im laufenden Jahr bestätigt. Demnach wird sich die hiesige Wirtschaft auch 2025 eher gedämpft entwickeln. Zudem seien die Prognosen mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet.
Konkret erwartet die KOF in ihrer Frühjahrsprognose für das laufende Jahr 2025 ein Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes (BIP, sporteventbereinigt) von 1,4 Prozent und damit gleich viel wie bei der letzten Prognose im Dezember.
Dies allerdings nur unter der Annahme, dass sich der internationale Handelskonflikt nicht weiter verschärft, wie in einer Mitteilung vom Mittwoch betont wird. Aufgrund der geopolitischen Strategie der neuen US-Regierung sei die Unsicherheit derzeit ungewöhnlich hoch. Die erhöhte handelspolitische Unsicherheit belaste vor allem die Investitionspläne der Schweizer Unternehmen und Haushalte.
Deutschland-Paket hilft
Während der internationale Handelskonflikt das Wachstum bremst, sollten die zu erwartenden Fiskalimpulse in einzelnen EU-Ländern – insbesondere jenes in Deutschland – die Konjunktur hingegen ankurbeln, schreibt die KOF weiter. Dies verbessere die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft. Für 2026 prognostiziert sie entsprechend dann eine BIP-Zunahme von 1,9 Prozent, was etwas mehr als bei der letzten Prognose (+1,7%). Mit der neuesten BIP-Prognose für 2026 liegt die KOF auch etwas höher als die meisten anderen Prognostiker.
Von den Fiskalprogrammen würden laut KOF vor allem das Verarbeitende Gewerbe, insbesondere die Zulieferer der Rüstungsindustrie, und die industrienahen Dienstleistungen profitieren. Dies dürfte über den Aussenhandel insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen und indirekt auch den privaten Konsum beleben. Grössere Infrastrukturprojekte sowie die fiskalischen Impulse aus Europa dürften zudem die Bauinvestitionen direkt oder indirekt stützen.
Abwärtsrisiken überwiegen
Allerdings betont die KOF die hohen Unsicherheiten bei der Prognose. «Da noch unklar ist, welche der bisher angedrohten handelspolitischen Massnahmen der Trump-Administration letztlich umgesetzt werden und welche zusätzlichen Massnahmen noch folgen könnten, unterliegt die aktuelle Prognose einer höheren Unsicherheit als üblich», schreibt die KOF.
Analysen zeigten jedenfalls, dass eine Ausweitung des Handelskonflikts erhebliche Abwärtsrisiken für die hiesige Wirtschaft mit sich bringen könnten. Das zentrale Abwärtsrisiko bestehe dabei darin, dass die US-Regierung weitere Zölle gegen andere Länder und Produkte einführe, einschliesslich Vergeltungszölle als Gegenmassnahmen.
Ein weiteres Risiko sieht die KOF darin, dass die Fiskalimpulse in Europa nicht effektiv oder nur verzögert eintreten werden. Ausserdem könnten geopolitische Konflikte wie der Krieg in der Ukraine oder im Nahen Osten eskalieren, mit Auswirkungen auf die Rohstoffpreise und den Welthandel.
Arbeitsmarkt und Inflation
Relativ zuversichtlich zeigen sich die KOF-Ökonomen bezüglich Arbeitsmarkt – zumindest wenn die oben genannten Risiken nicht in vollem Umfang eintreten. Die Beschäftigung und die Zahl der Erwerbstätigen dürften in den nächsten Jahren im Gleichschritt mit dem BIP-Wachstum zunehmen, prognostiziert die KOF. Und auch die Arbeitslosenquote werde nur noch langsam ansteigen und bald ihren Zenit bei 3 Prozent erreichen. Zudem rechnet die KOF mit steigenden Reallöhnen in Höhe von 0,9 Prozent in diesem und 0,6 Prozent im nächsten Jahr.
Bei der Inflation rechnet die Zürcher Ökonomen mit Raten von 0,5 Prozent für dieses und 0,6 Prozent für nächstes Jahr. Zuletzt (in Februar) lag sie bekanntlich bei 0,3 Prozent und bereits den sechsten Monat in Folge unter 1 Prozent. Nach der jüngsten Senkung der Leitzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent erwartet die KOF im Prognosezeitraum zudem keine weiteren Zinssenkungen. (awp/mc/pg)