Biotech: Icos und Bühler bringen Dutzende Startups und Unternehmen zusammen

Uzwil – Der Climate-Tech-Risikokapitalfonds Icos Capital hat Ende März den Accelerating Sustainability Summit im CUBIC, dem Innovation Campus von Bühler, veranstaltet. Die Veranstaltung brachte Investoren, Industriepartner und Startups aus der Biotech-Branche zusammen, um nachhaltige Lösungen zu beschleunigen und das Potenzial der Künstlichen Intelligenz (KI) zu nutzen. Die Partner wollen ihr Netzwerk der Zusammenarbeit und Innovation ausbauen, um die Wirkung von Startups zur Bewältigung einiger der dringendsten und komplexesten Herausforderungen in der Lebensmittelindustrie zu verstärken.
«Wir von Icos Capital wollen innovative Entwicklungen identifizieren und in sie investieren, um die Nachhaltigkeit voranzutreiben. Mit unserem Ansatz des Collaborative Venturing fördern wir für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaften zwischen Start-ups, die sich auf Lebensmitteltechnologie, chemische Technologie, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit konzentrieren, und etablierten Unternehmen, um deren Wachstum und Entwicklung zu unterstützen», sagt Nityen Lal, Founding Partner bei Icos Capital. Die Startups, die Icos seit 2006 unterstützt hat, haben ihre jeweiligen Märkte positiv verändert und haben von dem Icos-Ansatz profitiert, der finanzielle, soziale und ökologische Erträge gleichermassen berücksichtigt. «In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf Biotechnologie und Künstliche Intelligenz, da wir gesehen haben, dass viele Unternehmen diese Technologien einsetzen, um die Produktion zu optimieren und die Effizienz zu steigern», fügt Lal hinzu.
Der Accelerating Sustainability Summit fand das dritte Jahr in Folge im CUBIC von Bühler statt. Ian Roberts, Chief Technology Officer bei Bühler, sieht viele Vorteile für Bühler und seine Industriepartner. «Wir freuen uns, eine Rolle bei der Stärkung dieses kollaborativen Ansatzes zur Skalierung wirkungsvoller Innovationen spielen zu können.» Der führende Lösungspartner für die Lebensmittel-, Futtermittel- und Mobilitätsindustrie arbeitet mit ausgewählten Partnern wie Icos zusammen, um ein globales Netzwerk von Partnerschaften aufzubauen, die den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensmittelsystem unterstützen und die Einführung neuer Lösungen und Praktiken in der Industrie fördern. «Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen mit ihren etablierten Lieferketten und ihrem Marktzugang eine entscheidende Rolle auf dem Weg von Startups spielen können und sie in die Lage versetzen, sowohl ihre Geschäftstätigkeiten als auch ihren nachhaltigen Einfluss deutlich schneller zu voranzutreiben», fügt Roberts hinzu.
Herausforderungen in Chancen verwandeln
Die Biotech-Branche steht vor zahlreichen Herausforderungen. Die jüngsten politischen Veränderungen führen zu einem Rückgang der Finanzmittel und einem erhöhten Kostendruck, während die Sammlung hochwertiger Daten und der Aufbau von Datensätzen für KI-Modelle erhebliche Investitionen erfordern. Eine wichtige Antwort ist der Einsatz von KI in der Entwurfs-, Test- und Skalierungsphase von Technologien in den Bereichen alternative Proteine, Milchprodukte, Meeresfrüchte und sogar Körperpflege wie Kosmetik. Hier bieten die teilnehmenden Startups aus Europa und Nordamerika neue Ideen und Wege für etablierte Unternehmen der Lebensmittel- und Milchindustrie.
Ori Zakin, Mitbegründer und CEO von BioRaptor, einer Plattform zur Analyse von Bioprozessdaten, sagt: «Dies ist eine aufregende Zeit für die Biotechnologie – sie ist in der Lage, Science-Fiction zum Leben zu erwecken und Produkte herzustellen, die noch vor Jahren unmöglich waren. BioRaptor beschleunigt den Weg von der Forschung und Entwicklung zur skalierten Produktion durch KI-gesteuerte Bioprozessoptimierung. Unsere Plattform rationalisiert die Datenerfassung, ermöglicht sofortige Analysen und beschleunigt die Prozessentwicklung.»
Wolfgang Heinzl, Direktor für Geschäftsentwicklung bei der PHW Gruppe, einem deutschen Familienunternehmen in der Geflügelbranche, das in den Sektor der alternativen Proteine vordringt, betont die Vorteile des Lernens von Startups: «Wenn es nur einen guten Kontakt von dieser Veranstaltung gibt, dann ist das ein Erfolg. Ich habe die ausführlichen Präsentationen und Diskussionen heute sehr genossen. Startups werden von sehr ehrgeizigen Menschen geführt, die ein hohes Risiko eingehen und Grenzen überschreiten wollen. Sie versuchen, etablierte Regeln zu brechen, und das ist es, was wir in Unternehmen brauchen. Von der Schnelligkeit und Agilität, die sie mitbringen, profitieren alle.»
Triplebar ist ein weiteres Startup, das die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden auf sich zog. Sarah Bolmer, Vice President, Product, sagt: «Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Modellen der Generativen Künstlichen Intelligenz für das Zelldesign in der Proteinproduktion. Diese Modelle können eine Zelle für die Präzisionsfermentation erstellen, dessen manuelle Entwicklung Jahre und Investitionen in Millionenhöhe erfordert hätte. Unsere Stärke sind tiefgreifende technische Informationen und Entwicklungen. Um diese Stärke in ein Geschäftsmodell umzusetzen, müssen wir mit Menschen zusammenarbeiten, die die Möglichkeiten haben, unsere Lösung auf den Markt zu bringen. Diese Veranstaltung ist eine einzigartige Gelegenheit, von Gleichgesinnten zu lernen und die richtigen Partner für unser Unternehmen zu finden.»
Die entscheidende Rolle der Datenqualität in KI-Modellen
Alle Teilnehmenden waren sich einig, wie wichtig die Datenqualität ist. In den Präsentationen, Breakout-Sessions und beim Austausch unterstrichen die Expertinnen und Experten, dass auch die schnellsten KI-Modelle wertlos sind, wenn die Datenqualität nicht gut ist. Die Erstellung von Originaldatensätzen in den eigenen Labors ist entscheidend, in Kombination mit der Beschaffung zusätzlicher hochwertiger Daten von Partnern. Dies ist der Eckpfeiler, um Vertrauen in die Konsistenz der Komponenten wie zum Beispiel Enzyme aufzubauen, die Start-ups an Unternehmen liefern. Je grösser und vertrauenswürdiger der Datensatz ist, desto einfacher ist es, den Wert der Produkte zu beweisen und ihre finanzielle Tragfähigkeit zu berechnen. Darüber hinaus kann die Speisung eines KI-Modells mit qualitativ hochwertigen Daten wertvolle Zeit und Ressourcen in der Forschungs- und Entwicklungsphase einsparen und so die Risiken, die mit dem Eintritt in neue Märkte wie alternative Proteine verbunden sind, deutlich verringern. (pd/mc/pg)