Daniel Bosshard, Gemeindepräsident von Silvaplana, im Interview

Von Gregor Waser, Travelnews
Daniel Bosshard, Silvaplana hat sich von der Durchgangsstation zur Ganzjahres-Tourismusdestination entwickelt. Welche Massnahmen haben dazu beigetragen?
Die 2018 fertiggestellte Umfahrung und die Neugestaltung des Dorfplatzes haben Silvaplana sicherlich wichtige Impulse gegeben. Die Autos sind weg, nur noch ein Elektro-Shuttlebus durchquert das Zentrum. Den Dorfplatz haben wir mit einem Brunnen und zahlreichen Events belebt. Mit “Silvaplana Vital” haben wir nun ein Gefäss, um das Dorf mit Leben zu füllen. Dazu gehören kulturelle und musikalische Darbietungen im Wochenturnus, ebenso beliebt sind die zahlreichen sportlichen Events. Langeweile gibt es bei uns nicht. Heute sind wir ein erlebnisreicher, qualitativ hochstehender Ferienort. Das geht auch von den Feedbacks der Hotelgäste und Zweiwohnungsbesitzern hervor, ob von Schweizern, Deutschen oder Italienern.
Wie erfolgreich war die Wintersaison?
Sie dauert noch an bis am 27 April. Es dürfte eine Rekordsaison geben, bis Ende März sind wir gut gebucht. Die diesjährigen Ostern liegen spät, doch dank der Jäger-Ski-Weltmeisterschaften, die alle fünf Jahre bei uns stattfinden, sind unsere Hotels auch in der ersten April-Woche voll.
Danach kommt die grosse Flaute?
Im Mai ist in der Regel nicht so viel los, doch wir sind mittlerweile eine Ganzjahresdestination. Der November etwa war im letzten Jahr sehr gut dank schönem Spätherbstwetter. Silvaplana ist sehr vielseitig geworden übers ganze Jahr hinweg. Im Winter betreiben nur noch 38 Prozent der Gäste alpines Skifahren. Winterwandern ist sehr beliebt, Langlaufen natürlich, aber auch reine gastronomische und kulturelle Aufenthalte. Und im Sommerhalbjahr stehen Windsurfen, Kitesurfen und immer mehr Wingfoilen hoch im Kurs, neben Wandern, weiteren Aktivitäten und Lifestyle-Events. Vor 20 Jahren lag das Gäste-Verhältnis Winter-Sommer noch bei 70:30, heute liegt es bei 50:50.
Wie entscheidend für den Erfolg einer Saison ist gutes Wetter?
Gutes Wetter spielt mit. Aber wir schnüren im Vorfeld Packages, etwa mit Medienpartnern, die zu vielen Buchungen animieren, bevor der Wetterbericht vorliegt. Dazu gehören etwa Fünftages-Packages im September mit geführten Wanderungen und kulinarischen Erlebnisse oder eine 4-tägige Stöckli-Ski-Promotion von Ende November bis zu den Weihnachten. Im Dezember konnten wir 1500 solcher Packages verkaufen, was sowohl die Hotels wie auch die Bergbahnen.
Wie entwickelt sich der Gästemix?
Mit 75 Prozent Schweizern sind wir schon ziemlich schweizlastig. Wir würden gerne noch mehr ausländische Gäste bei uns begrüssen. Zuletzt hatten wir verstärkt US-amerikanische Gäste. Dazu beigetragen hat der Icon-Pass, mit dem Amerikaner auch in Europa zwei Wochen Skifahren können. Der Markt Deutschland ist für uns im oberen Preissegment immer noch gut, im mittleren Segment ist die Konkurrenz aber hart geworden. Generell versuchen wir innovativ zu bleiben und in Zukunft verstärkt jüngere Gäste bei uns zu begrüssen. Die Menschen werden zwar älter, das ist kein aber Grund sich zurückzulehnen. Als Tourismusort gilt es aufzupassen, dass man nicht zum Altersheim wird.
Gibt es neue Betten-Projekte? Auch für Mitarbeitende? Im Engadin ist von einer Wohnungsnot die Rede.
Es stehen zwei Projekte an. Auf dem Parkplatz Surlej Corvatsch entstehen 50 Wohnungen für Einheimische. Ebenso ist ein 200-Betten-Hotel geplant für Junge, Junggebliebene und Familien. Leider sind noch 12 Einsprachen hängig. Mit der Zweitwohnungsinitiative kam die Auflage, keine neuen Ferienwohnungen zu bauen, das hat zu einer Verknappung geführt, denn die Nachfrage hat nicht nachgelassen – was wiederum zu hohen Immobilienpreisen führt.