Kunsthaus Zürich feiert Roman Signer: über 50 Jahre Kreativität und Staunen

Kunsthaus Zürich feiert Roman Signer: über 50 Jahre Kreativität und Staunen
Blick in die Ausstellung. (Foto: Kunsthaus Zürich)

Zürich – Roman Signer gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schweizer Kunstschaffenden. In seiner Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich zeigt er vom 4. April bis 17. August 2025 Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden, die er im grossen Ausstellungssaal zu einer überraschenden Gesamtinstallation zusammenfügt.

Wenn Roman Signer (1938, Appenzell) über die Ausstellung im Kunsthaus Zürich redet, spricht er von einer Landschaft. Von Anfang an stellte er sich den grossen Ausstellungssaal offen vor, ohne Wände, die den Raum unterteilen. So arbeitet er meist. «Ich verteile die Werke im Raum, und das Publikum kann die Arbeiten wie auf einem Spaziergang erkunden», so der Künstler. Das entspricht auch der Art und Weise, wie Roman Signer selber die Welt entdeckt und Inspiration für seine Arbeit findet – er war nie ein Atelierkünstler. Als Signer 1972 dank eines Austauschprogramms für ein Jahr nach Warschau ging und dort unter Oskar Hansen studierte, war seine «Akademie die Strasse». Er spazierte tagelang durch die Stadt und saugte die Realität auf. «Ich bin so vielen spannenden Situationen begegnet, die mich geprägt haben.» In der Zeit entdeckte er das Potenzial, mit den Elementen und einfachen Gegenständen wie Flaschen, Eimern oder Stiefeln Kunst zu machen. Das ist noch heute so. Inzwischen 86-jährig, tüftelt Roman Signer immer noch täglich an neuen Ideen. Auch für die Ausstellung im Kunsthaus hat er verschiedene neue Werke realisiert.

EIN NEUER BLICK AUF DIE WELT
Die Natur und die Elemente sind für Signers Arbeit zentral. Insbesondere Wasser ist ein wiederkehrendes Sujet seiner Werke. Schon als Kind verbrachte der Künstler die meiste Zeit im und um den Fluss Sitter im Kanton Appenzell. Damals beobachtete er, wie Eisschollen an Brückenpfeilern zu ephemeren Skulpturen zusammengeschoben wurden oder warf eine Flaschenpost ins Wasser und stellte sich vor, wie sie ihre Reise in die Welt antrat. Ähnliche Ideen treiben Roman Signer auch heute noch um. Seine künstlerischen Ereignisse sind eine faszinierende Mischung aus Prozess, Spiel, Experiment und Staunen. Mit kindlicher Neugier fordert er die Gesetze der Natur heraus und kreiert Anordnungen, die uns immer wieder aufs Neue überraschen. Dabei spielen Zufall sowie das Eindämmen und Freisetzen von Energie eine zentrale Rolle. Es sind die nur beschränkt kontrollierbaren Kräfte, wie z.B. jene von Explosionen oder der Schwerkraft, die Signer faszinieren und die er bei der Herstellung seiner Skulpturen einsetzt. «Ich arrangiere nur. Die Kraft macht meine Skulptur bzw. manifestiert sich in meiner Skulptur», beschreibt der Künstler seine Vorgehensweise. So entstehen unerwartete Situationen, die einen neuen Blick auf die Welt eröffnen und auch die Rolle des Künstlers in ein anderes Licht rücken.

Humor gehört bei Signers Werken dazu, ist aber nicht das Ziel seiner Arbeit. «Lachen ist erlaubt, muss aber nicht sein», so der Künstler. Das für ihn charakteristische Augenzwinkern verleiht den Arbeiten eine gewisse Leichtigkeit, die sich auch auf materieller Ebene zeigt. Viele von Signers Werken sind temporäre Erscheinungen, und er liebt Objekte, die zerlegt werden können oder wieder verschwinden. Das Element Zeit spielt in seinem Schaffen eine zentrale Rolle, und seine Arbeiten werden immer wieder mit dem Etikett «Zeitskulptur» versehen. Viele von Signers Arbeiten haben auch etwas Performatives bzw. erfahren eine Transformation im Laufe der Zeit. Das Augenmerk wird auf die Erfahrung des Ereignisses, die dadurch geschaffenen Veränderungen und die daran beteiligten Kräfte gerichtet. Um diesen Verlauf festzuhalten, verwendet Signer Film und Fotografie. Diese beiden Medien spielen für seine künstlerische Praxis eine wichtige Rolle und sind auch in der Ausstellung im Kunsthaus zu sehen.

Der Schwerpunkt der Schau liegt aber auf den Skulpturen. Diese entstehen bei Roman Signer aus alltäglichen Gegenständen, wie z.B. einem Tisch, Bett oder Stuhl. Indem er sie durch die Luft fliegen oder als improvisiertes Schiffchen durch die Landschaft von Island fahren lässt, verwandelt er deren Lesart und macht aus ihnen unterschiedliche Charaktere. Ihnen allen gemeinsam ist, dass man gar nicht anders kann, als Sympathie für sie zu empfinden. Ein ebenfalls immer wiederkehrendes Objekt in Roman Signers über 50-jährigen künstlerischen Laufbahn ist das Kajak. Mal zerlegt er es in Teile und macht daraus eine Art Minimal-Skulptur, mal hängt er es von der Decke oder wagt darauf – gezogen von einem Auto – einen holprigen Ritt durch die Landschaft. (Kunsthaus Zürich/mc/ps)

Kunsthaus Zürich

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